Für das Wirtschaftsmagazins INDUKOM zum Schwerpunktthema Industriedesign, berichtete Katrin Wellmann von liebenswerten Eigenheiten und eigenartigen Vorlieben der "Kreativen".
"Designers Macken…"
Gelobte Göttin der Ästhetik! Da wurde ich doch tatsächlich gebeten, über die Macken von uns Designerinnen und Designern zu schreiben. „Als ob wir überhaupt welche hätten!“ war meine erste empörte Reaktion. Und außerdem, wie sollte ich als Designerin darüber schreiben, ob nicht auch eine kleine Skizze möglich wäre…? Nein, das nicht, teilte man mit, es müsse schon mit Worten formuliert werden – und bitte möglichst auch noch für Nicht-Designer verständlich.
Hmmm, Stift in der Hand, erstmal eine kleine Skizze über den Aufbau des Textes gemacht, jetzt fühlte ich mich schon besser. Mal überlegt, wir Kreativen – so werden wir landläufig genannt, so müssen wir denn auch sein, also los: was sind denn unsere Ticks, welche unserer Eigenschaften sind, sagen wir mal, sub-optimal? Tja, die erste Schwierigkeit zeigt sich schon hier: in der Regel sind wir nicht gerade stark mit Worten. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ ist die Devise in der Branche. Verbale Kommunikation verlangt uns einiges ab - von Rechtschreibung, reformiert oder nicht, ganz zu schweigen. Legen Sie unsere Worte also nicht auf die Goldwaage, seien Sie großzügig, wenn der Gestalter rumdruckst, lauschen Sie dem wohlgeformten Klang seiner Worte… Und lassen Sie ihn im Zweifelsfall tatsächlich lieber eine Zeichnung anfertigen.
Nun denn – entgegen unserer eigentlichen Arbeitsweise, auch wenn Sie anderes gehört haben – von außen nach innen geschaut: unser Äußeres gleicht sich doch häufig sehr. Für Kunden sind wir sicher schwer unterscheidbar, alle so ganz in Schwarz gekleidet… Als ob wir in unserer täglichen Arbeit mit Form und Farbe so erschöpft würden, dass es bei der eigenen Kleiderwahl nicht mehr reicht! Na ja, viele Kollegen meinen, sie selbst müssten frei bleiben von jeglicher Farbentscheidung, zurücktreten in den Hintergrund, nur so suche die Inspiration sie heim. Die schaffensfrohen „Halbgötter in Schwarz“, wie Kölner Design-Studenten sich gern selbst nennen, brauchen keinerlei farbige Akzente, Ton in Ton farblos fühlt sich der Kreative am sichersten. Die Verwandtschaft zu Bestattungsunternehmern ist dabei keineswegs gewollt, schließlich rufen wir Designer Neues ins Leben.
Nun werden Sie sich wahrscheinlich wundern, warum Ihr Designer sich so wehrt, wenn Sie ihn Künstler nennen. Er gibt doch offen zu, kreativ zu sein und originelle Ideen zu haben – wo ist da der Unterschied? Haben Sie Geduld mit Ihrem Kreativen! Er gibt sich solche Mühe, Ihnen zu beweisen, dass ihm die Funktionalität das Allerwichtigste ist, dass er eben keine Kunst macht. Hätte er Künstler werden wollen, wäre er bei den Ölmalkreiden geblieben, so aber bedient er sich der Copic-Marker und neuester Software aus der CAD-Welt. Ihm bedeutet kostengünstige Serienproduktion mehr als ein handgefertigtes Einzelstück, er gestaltet für den exakt definierten Benutzer, nicht für jeden möglichen Betrachter. Für ihn heißt es eben nicht: „l’art pour l’art“, sondern „form follows function“. Und das ist gut so! Vertrauen Sie seinem Urteil und ärgern Sie ihn nicht mit falschen Berufsbezeichnungen. Oder möchten Sie als Marketingentscheider missverstanden werden als „Werbefritzen“ …?
Ein weiterer Fimmel mag die Neugier unseres Berufsstands sein. Fragt Ihre Designerin Ihnen auch Löcher in den Bauch? Diese Gestalterinnen wollen einfach alles wissen! Angefangen bei gewünschten Funktionen, konstruktiven Details und Werkzeugparametern, über Zielgruppen, Absatzkonzepte und Verkaufszahlen bis hin zu interner Kommunikationsstrategie und gelebter Unternehmensphilosophie… Fehlt nur noch, dass sie Ihre Schuhgröße wissen will. Obwohl, wer weiß, vielleicht ermöglicht ja gerade diese Information die innovative Eingebung, den erfolgsentscheidenden Clou! Sie können ganz sicher sein, die Neugier der Designerin bürgt für ihre Qualität. Je mehr Input Sie ihr liefern, desto besser der Output an Produktideen, Problemlösungsvorschlägen, ja, Erfindungen.
Denn das sind diese Designerwesen in der Tat, diese angeblich so verrückten Wirrköpfe, diese neugierigen „Schöpfer“ allesamt: Erfinder. Sie (er-)finden neue Wege, sie entdecken nie gedachte Antworten, sie schaffen Realität in Form von Formen. Dass sie dabei nicht immer konventionell vorgehen, dass sie so manches Mal anstrengend werden, da unberechenbar, das sollte man ihnen nachsehen, das liegt in ihrer Natur. Wenn das Macken sind, dann plädiere ich für sie: für ausgetickte Gestalter, für spinnerte Kreative, für idealistische Designer!
Hmm, verzeihen Sie, aber mir scheint, dies ist nun doch mehr zu einer Liebeserklärung geworden als zu einer kritischen Selbst-Analyse… Seien Sie so gut und fügen Sie es einfach der Mackenliste hinzu: Designer sind so unkritisch, wenn es um sie selbst geht – aber nur dann!
Die Autorin Katrin Wellmann ist Diplom-Industriedesignerin (was sonst?) und Geschäftsführerin von :echtform – Industriedesign und Beratung. Ihr Büro ist spezialisiert auf ergonomisches Produktdesign und tätig für die Medizintechnik sowie im Bereich der Industrial, Consumer & Household Electronics. Sie lebt und arbeitet mit ihrem Partner Stefan Stocker im schönen Rösrath bei Köln. Außerdem ist sie tätig für den Studiengang Industrial Design an der Universität Duisburg-Essen und dort zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Sie hofft, es sich mit diesem Beitrag nicht für alle Zeiten mit ihren überaus geschätzten Kolleginnen und Kollegen verdorben zu haben.
"Designers Macken…"
Gelobte Göttin der Ästhetik! Da wurde ich doch tatsächlich gebeten, über die Macken von uns Designerinnen und Designern zu schreiben. „Als ob wir überhaupt welche hätten!“ war meine erste empörte Reaktion. Und außerdem, wie sollte ich als Designerin darüber schreiben, ob nicht auch eine kleine Skizze möglich wäre…? Nein, das nicht, teilte man mit, es müsse schon mit Worten formuliert werden – und bitte möglichst auch noch für Nicht-Designer verständlich.
Hmmm, Stift in der Hand, erstmal eine kleine Skizze über den Aufbau des Textes gemacht, jetzt fühlte ich mich schon besser. Mal überlegt, wir Kreativen – so werden wir landläufig genannt, so müssen wir denn auch sein, also los: was sind denn unsere Ticks, welche unserer Eigenschaften sind, sagen wir mal, sub-optimal? Tja, die erste Schwierigkeit zeigt sich schon hier: in der Regel sind wir nicht gerade stark mit Worten. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ ist die Devise in der Branche. Verbale Kommunikation verlangt uns einiges ab - von Rechtschreibung, reformiert oder nicht, ganz zu schweigen. Legen Sie unsere Worte also nicht auf die Goldwaage, seien Sie großzügig, wenn der Gestalter rumdruckst, lauschen Sie dem wohlgeformten Klang seiner Worte… Und lassen Sie ihn im Zweifelsfall tatsächlich lieber eine Zeichnung anfertigen.
Nun denn – entgegen unserer eigentlichen Arbeitsweise, auch wenn Sie anderes gehört haben – von außen nach innen geschaut: unser Äußeres gleicht sich doch häufig sehr. Für Kunden sind wir sicher schwer unterscheidbar, alle so ganz in Schwarz gekleidet… Als ob wir in unserer täglichen Arbeit mit Form und Farbe so erschöpft würden, dass es bei der eigenen Kleiderwahl nicht mehr reicht! Na ja, viele Kollegen meinen, sie selbst müssten frei bleiben von jeglicher Farbentscheidung, zurücktreten in den Hintergrund, nur so suche die Inspiration sie heim. Die schaffensfrohen „Halbgötter in Schwarz“, wie Kölner Design-Studenten sich gern selbst nennen, brauchen keinerlei farbige Akzente, Ton in Ton farblos fühlt sich der Kreative am sichersten. Die Verwandtschaft zu Bestattungsunternehmern ist dabei keineswegs gewollt, schließlich rufen wir Designer Neues ins Leben.
Nun werden Sie sich wahrscheinlich wundern, warum Ihr Designer sich so wehrt, wenn Sie ihn Künstler nennen. Er gibt doch offen zu, kreativ zu sein und originelle Ideen zu haben – wo ist da der Unterschied? Haben Sie Geduld mit Ihrem Kreativen! Er gibt sich solche Mühe, Ihnen zu beweisen, dass ihm die Funktionalität das Allerwichtigste ist, dass er eben keine Kunst macht. Hätte er Künstler werden wollen, wäre er bei den Ölmalkreiden geblieben, so aber bedient er sich der Copic-Marker und neuester Software aus der CAD-Welt. Ihm bedeutet kostengünstige Serienproduktion mehr als ein handgefertigtes Einzelstück, er gestaltet für den exakt definierten Benutzer, nicht für jeden möglichen Betrachter. Für ihn heißt es eben nicht: „l’art pour l’art“, sondern „form follows function“. Und das ist gut so! Vertrauen Sie seinem Urteil und ärgern Sie ihn nicht mit falschen Berufsbezeichnungen. Oder möchten Sie als Marketingentscheider missverstanden werden als „Werbefritzen“ …?
Ein weiterer Fimmel mag die Neugier unseres Berufsstands sein. Fragt Ihre Designerin Ihnen auch Löcher in den Bauch? Diese Gestalterinnen wollen einfach alles wissen! Angefangen bei gewünschten Funktionen, konstruktiven Details und Werkzeugparametern, über Zielgruppen, Absatzkonzepte und Verkaufszahlen bis hin zu interner Kommunikationsstrategie und gelebter Unternehmensphilosophie… Fehlt nur noch, dass sie Ihre Schuhgröße wissen will. Obwohl, wer weiß, vielleicht ermöglicht ja gerade diese Information die innovative Eingebung, den erfolgsentscheidenden Clou! Sie können ganz sicher sein, die Neugier der Designerin bürgt für ihre Qualität. Je mehr Input Sie ihr liefern, desto besser der Output an Produktideen, Problemlösungsvorschlägen, ja, Erfindungen.
Denn das sind diese Designerwesen in der Tat, diese angeblich so verrückten Wirrköpfe, diese neugierigen „Schöpfer“ allesamt: Erfinder. Sie (er-)finden neue Wege, sie entdecken nie gedachte Antworten, sie schaffen Realität in Form von Formen. Dass sie dabei nicht immer konventionell vorgehen, dass sie so manches Mal anstrengend werden, da unberechenbar, das sollte man ihnen nachsehen, das liegt in ihrer Natur. Wenn das Macken sind, dann plädiere ich für sie: für ausgetickte Gestalter, für spinnerte Kreative, für idealistische Designer!
Hmm, verzeihen Sie, aber mir scheint, dies ist nun doch mehr zu einer Liebeserklärung geworden als zu einer kritischen Selbst-Analyse… Seien Sie so gut und fügen Sie es einfach der Mackenliste hinzu: Designer sind so unkritisch, wenn es um sie selbst geht – aber nur dann!
Die Autorin Katrin Wellmann ist Diplom-Industriedesignerin (was sonst?) und Geschäftsführerin von :echtform – Industriedesign und Beratung. Ihr Büro ist spezialisiert auf ergonomisches Produktdesign und tätig für die Medizintechnik sowie im Bereich der Industrial, Consumer & Household Electronics. Sie lebt und arbeitet mit ihrem Partner Stefan Stocker im schönen Rösrath bei Köln. Außerdem ist sie tätig für den Studiengang Industrial Design an der Universität Duisburg-Essen und dort zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Sie hofft, es sich mit diesem Beitrag nicht für alle Zeiten mit ihren überaus geschätzten Kolleginnen und Kollegen verdorben zu haben.

