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Produktdesign in der Medizintechnik
H2.1: Welche Rolle spielt das Produktdesign in der Produktentwicklung?
Produktdesign (auch: Industriedesign) ist die Gestaltung industriell herstellbarer Produkte (Gebrauchs- und Investitionsgüter) unter Berücksichtigung der Zielgruppe, aller Anforderungen an das Produkt selbst und aller herstellungstechnischen Bedingungen.
Insofern spielt das Produktdesign im Produktentwicklungsprozess auch und gerade bei Medizinprodukten eine tragende Rolle. Es genügt also nicht, nach der rein technischen Definition von Funktionen und fertig gestellter Konstruktion, den Produktdesigner „noch eben die Hülle verhübschen“ zu lassen. Produktdesign sollte von Anfang an, also begonnen bei der Produktidee, mit der medizinisch-technischen Abteilung gemeinsam die Produktentwicklung vorantreiben. Produktdesigner und Ingenieur/Konstrukteur (sowie Firmenleitung, Produktmanagement, Marketing und, bei Medizinprodukten, auch häufig Mediziner) arbeiten also stets Hand in Hand, sie ergänzen einander.
Häufig wird das Design zu spät eingeschaltet, um Kosten zu sparen. Abgesehen davon, dass Design meist nicht so teuer ist wie sein Ruf, kann im Gegenteil kein Design teuer werden. Sind Designer früh an der Entwicklung beteiligt, können sie in Zusammenarbeit mit den Ingenieuren die Produktionskosten oft sogar senken: Etwa durch die Lösung von gestaltbedingten Fertigungsproblemen, die Auswahl einfach zu verarbeitender Materialien oder durch die Optimierung von Verpackung, Lagerung und Transport. Zudem reduzieren sich die Werbekosten, da das Produkt durch seine Gestaltung auffällt. Es werden nämlich nur diejenigen Produkteigenschaften zu Verkaufsargumenten, die man dem Produkt auch zutraut. Somit wirbt es für sich selbst und transportiert die Corporate Identity des Unternehmens.
Das Produktdesign befasst sich zunächst mit den zu erreichenden Funktionen, dem Nutzen des Produkts (Hier wird die Frage beantwortet: „Was soll das Produkt können?“). Als nächstes wird der Nutzer betrachtet, also die Zielgruppe des Produkts („Wer soll das Produkt nutzen/bedienen/gebrauchen?“). Schließlich steht die Lösung der Frage an, wie das Gebrauchsziel erreicht werden soll („Wie soll das Produkt benutzt werden?“).
Aus diesen Hauptaspekten ergeben sich viele Unteraspekte.
Zur Erfassung aller Anforderungen an das Produktdesign wird ein Briefing (auch: Pflichtenheft) erstellt. Das Briefing definiert zunächst die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Designer. Je genauer es durchdacht und je detaillierter es formuliert wird, desto besser funktioniert die Kommunikation und Kooperation der Projektpartner während der gesamten Projektlaufzeit.
Idealerweise wird das Briefing gemeinsam von Unternehmen und Designbüro formuliert und diskutiert. Im besten Fall sind alle wichtigen Fragen das Projekt betreffend darin geklärt. Und zwar vor allem:
Warum?
Wer?
Was?
Wie?
Wann?
Warum? - Hintergründe und Ziele
Das Unternehmen klärt den Designer über ökonomische, firmeninterne, marktstrategische, technische und jegliche andere Hintergründe auf, die dem gesamtheitlichen Verständnis des Projekts dienen. Je mehr Informationen Unternehmensvertreter an das Designbüro weitergeben, desto besser kann der Designer die Kundenziele verfolgen. Möglicherweise ist ein firmeninterner Workshop mit Vertretern aller Abteilungen sinnvoll, um verstecktes Wissen und Innovationspotential der Mitarbeiter aufzudecken.
Wer? - Ansprechpartner und Verantwortliche
Kommunikation ist alles. Deshalb ist klar geregelt, wer die Ansprechpartner im Unternehmen sind – und wer welche Entscheidungen trifft. Zwar gibt es feste Projektverantwortliche, die mit dem Designbüro kommunizieren, der Designer hat jedoch bei Notwendigkeit Kontakt zu allen Projektmitarbeitern (sei es im Marketing, sei es in der Konstruktion). Die Kommunikation per mail, Memos und Telefonnotizen wird dokumentiert, jeder (Teil-) Projektverantwortliche wird informiert.
3. Was und 4. Wie? - Gegenstand und Leistung
Was genau soll der Designer leisten? Geben Sie eine Beschreibung Ihres Projektziels ab, die alle für Sie wichtigen Daten und Kennzahlen beinhaltet. Welches Ergebnis wollen Sie sehen und welches sind die Bedingungen? So kann das Designbüro mit Ihnen gemeinsam abschätzen, wie der Projektplan aussehen sollte, welche Mittel zur Verfügung stehen und welche Schritte und Methoden sinnvoll sind zum Erreichen Ihres Ziels.
Mögliche Anforderungen an das Produkt sind:
- technisch funktionale
- produktionstechnische
- ökonomische
- soziale
- sozio-kulturelle
- emotionale
- ergonomische
- ästhetische
- ökologische
- rechtliche
5. Bis wann? - Meilensteine und Termine
Ein genauer Zeitplan, wer wann was liefert, der von allen am Projekt Beteiligten mitgetragen wird, erleichtert die effektive Zusammenarbeit. So werden Produktionsausfälle vermieden und z.B. Markteinführungs- bzw. Messetermine berücksichtigt.
Das Briefing definiert außerdem (siehe auch Punkt 3. und 4.) alle zwingend erforderlichen und wünschenswerten Produkteigenschaften, bzw. nennt auch Eigenschaften, die vermieden werden sollen. Es werden alle zu erfüllenden Funktionen sowie Zielgruppen, aber auch die geplanten Vertriebswege, die zur Verfügung stehenden Produktionsmittel und -wege bzw. Fertigungsbudgets, avisierter Endpreis etc. festgehalten.
H2.2: Was beinhaltet der Produktdesignprozess?
Zunächst wird das Ziel definiert und gemeinsam das Briefing (s.o.) erstellt.
Anschließend folgt eine Phase der Orientierung und der Analyse.
Der Designer betrachtet die Aufgabenstellung in ihrem Zusammenhang: dem gesellschaftlichen Kontext (z.B. welche Bedeutung hat das Gerät in der heutigen Gesellschaft, welchen Beitrag leistet es zur Volksgesundheit?), dem Innovationszusammenhang (z.B. ist das Gerät eine völlig neue Erfindung und Anwendung oder eine Weiterentwicklung bereits etablierter Lösungen?), der Systemumgebung (z.B. wird das Gerät im OP im Zusammenhang mit welchen anderen Geräten oder Arbeitsabläufen genutzt?). Er analysiert alle Prozesse, die bei dem zu gestaltenden Produkt eine Rolle spielen.
Zusätzlich untersucht der Designer den Wettbewerb: welche Produkte gibt es bereits auf dem Markt, die einen ähnlichen Nutzen bieten bzw. das gleiche Ziel verfolgen? Welche Gestaltungsantworten wurden hier gefunden?
Als nächstes geht es in die Phase der Konzeption.
Der Designer entwickelt etliche Ideen, Varianten und Teillösungen, die er in Konzepte integriert. Dabei entstehen (Hand-)Skizzen, Lösungsmatrizen und evtl. erste Funktionsmodelle. Aus den Konzepten werden erste Designentwürfe (dargestellt als rudimentäre 3D-CAD-Renderings, farbige Skizzen oder erste Entwurfsmodelle).
In vielen Fällen kann eine Ergonomiestudie an dieser Stelle sinnvoll sein. (Die Ergonomie, an dieser Stelle Produktergonomie = micro ergonomics, hat die intuitive Bedienbarkeit und allgemeine Gebrauchstauglichkeit von Produkten zum Ziel.) Hier untersucht der Designer mit Hilfe von Fallstudien an der Zielgruppe (mittels Befragungen, Beobachtungen und anderen Erhebungsmethoden) die Anforderungen an den Gebrauch des zu gestaltenden Produkts. Dafür verwendet er möglicherweise erste Funktions- und Handhabungsmodelle.
Marktforschung wird unter Umständen auch schon mit ersten Designmodellen betrieben. Die Wirtschaftlichkeit verschiedener Entwürfe wird ebenfalls jetzt analysiert.
Im Anschluss an mindestens eine Zwischenpräsentation und die gemeinsame Evaluation der Konzepte und Entwürfe folgt die Phase der Detailgestaltung.
Nun wird jedes Detailproblem endgültig gelöst. Außerdem werden Materialien, Oberflächen, Farben und die Produktbeschriftung festgelegt. (Auch die Verpackung und Point-of-Sale-Lösungen werden oft vom gleichen Designbüro entwickelt, allerdings ist dies meist ein separater Auftrag.)
Nach einer weiteren Zwischenpräsentation und Freigabe durch den Auftraggeber erstellt das Designbüro die CAD-Vorkonstruktion. Oft liefert das Designbüro nicht nur die Außenflächen des fertigen Produkts, sondern auch die endgültige Konstruktion. Hat der Kunde selbst eine eigene Konstruktionsabteilung, kann die Datenübergabe (z.B. nur Daten der Außenflächen) genau abgesprochen werden.
Jetzt geht es in die Realisation. Erste Prototypen werden (z.B. durch Rapid-Prototyping-Verfahren = 3D-Drucken) hergestellt, so dass ein erster realistischer Produkteindruck entsteht. Die Prototypen können nun vom Kunden auf ihre technischen und sonstigen Eigenschaften hin geprüft und getestet werden, bevor das Produkt in Serie geht.
Ans Prototyping anschließend entsteht die Fertigungsplanung und die Übergabe der Konstruktionsdaten an den endgültigen Fertigungspartner (Kunststoff- oder Metallproduzent), der nun ein bzw. mehrere Werkzeuge erstellt. Der Designer bleibt meist beratend und begleitend im Projekt bis das Produkt schließlich marktfähig und verkaufsfertig existiert.
Nach einer erneuten ausführlichen Evaluation des Produkts und Bestimmung des Markterfolgs sowie nach Nutzungsstudien beginnt gegen Mitte des Produktlebenszyklus das Re-Design, ein erneutes Überdenken der Gestaltung – der Prozess beginnt von vorn.
H2.3: Welche besonderen Faktoren bestimmen das Design von Medizinprodukten?
Besonders wichtig beim Design von Medizinprodukten ist ihre Gebrauchstauglichkeit.
Dies ist z.B. in der Norm ISO EN 60601-1 für elektrische Medizinprodukte (bzw. zukünftige Norm für alle Medizinprodukte: EN 62366) festgelegt (beide Normen in Bezug auf die ISO 14971:2000 zum Thema Risikomanagement für Medizinprodukte).
Diese Normen sehen einen Ergonomieprozess zur Analyse, Entwicklung und Gestaltung, zur Verifikation und Validierung der Gebrauchstauglichkeit und seine Dokumentation für Medizinprodukte vor.
Für seriöse professionelle Produktdesigner ist es eine Selbstverständlichkeit, das jedes von ihnen gestaltete Produkt gebrauchstauglich, d.h. sicher und möglichst intuitiv bedienbar, also ergonomisch ist. Die Mensch-Maschine-Schnittstelle (bzw. Benutzer-Gerät-Schnittstelle) muss so ausgelegt sein, dass der Gebrauch auch in ungünstigen Situationen möglichst fehlerfrei erfolgt.
Besondere Berücksichtigung bei einem solchen der Norm entsprechenden Ergonomie- bzw. Designprozess findet der Gebrauch durch die jeweilige Zielgruppe des Medizinprodukts. Dabei müssen mögliche Benutzungs- und Bedienfehler genauso berücksichtigt werden wie der eigentliche bestimmungsgemäße Gebrauch, denn Nutzer sind oft sehr erfindungsreich, was Möglichkeiten der Fehlbedienung betrifft. Die Sicherheit von Bedienpersonal (z.B. im Krankenhaus und Pflegeheimen), Pflegepersonen (geschulten und ungeschulten) sowie Patienten selbst ist hier der Maßstab für ein erfolgreiches Produkt.
An dieser Stelle leuchtet also noch einmal mehr ein, weshalb die avisierte Zielgruppe stets im Zentrum der Produktentwicklung und somit des Produktdesigns stehen muss. Bediener- bzw. Nutzer-Ideen und -Bedürfnisse, ihre Erfahrungen und Kenntnisse, ihr Verhalten und ihre Gewohnheiten sowie die Bedien-Umgebung müssen bestens bekannt sein und berücksichtigt werden.
Zum Beispiel haben körperlich Behinderte, die ein medizintechnisches Gerät zuhause benutzen, besondere Anforderungen. Oder Chirurgen, die mehrere stundenlange Operationen täglich mit einem Werkzeug ausführen, dürfen bei dieser Arbeit nicht übermäßig ermüden bzw. Fehlhaltungen oder gar Haltungsschäden entwickeln.
Es ist daher naheliegend, die Anforderungen an das Gerät unter tatsächlichen Bedingungen, also durch wirkliche Benutzer in der wirklichen Gebrauchsumgebung, zu untersuchen. Dies sollte schon in einer frühen Phase (mit einem Vorläufermodell oder einem Funktionsmodell bzw. einem sogenannten Mock-Up) und wiederholt geschehen. Nur so kann das vom Designer vorgeschlagene Design später auch alle Anforderungen zufrieden stellend erfüllen.
Ein weiterer Aspekt bei medizintechnischen Geräten ist die Hygiene. Geräte, die z.B. im OP zum Einsatz kommen sollen, müssen sterilisierbar sein. Aber auch Geräte zur selbständigen Nutzung durch den Patienten zuhause müssen einfach und gut zu reinigen und zu warten sein. Der Einsatz geeigneter Materialien, die langlebig sind und in der Medizin übliche Sterilisationsmethoden vertragen, ist für den Designer eine selbstverständliche Maßgabe.
Nicht zu vernachlässigen ist gerade bei Medizinprodukten auch die Psychologie des Patienten. Der Designer ist darin geschult, darauf zu achten, die Gestaltung des Produkts menschengemäß zu halten.
Patienten soll die Angst vor Medizintechnik genommen werden, damit die an ihren Körpern eingesetzten Geräte nicht wie brachiale Maschinen auf sie wirken. Die äußere Wirkung von Instrumenten und Geräten kann dazu beitragen, das Vertrauen von Patienten in die Behandlungsmethode zu gewinnen. Man muss z.B. einem Blutdruckmesser auch zutrauen, dass er die Blutdruckwerte richtig ermittelt. Nur das Design ist in der Lage, die technisch-funktionale Güte eines Produkts formal zu kommunizieren.
H2.4: Worauf sollte bei einer Unternehmensneugründung in Bezug auf das Produktdesign besonders geachtet werden?
Wählen Sie als Unternehmensgründer Ihren Designpartner mit Bedacht aus. Der Designer Ihres Produkts ist für Ihren Unternehmenserfolg letztlich mindestens ebenso wichtig wie jeder andere Unternehmensberater und Produktentwickler. Oft ist das Produkt das einzige, was der Kunde bzw. der Nutzer von Ihrem Unternehmen zu sehen bekommt. Somit stellt das Produkt das Gesicht Ihres Unternehmens nach außen dar (gemeinsam mit der grafischen Gestaltung, beide sollten einem einheitlichen Corporate Design entspringen bzw. folgen).
Beziehen Sie Ihren Designer früh in die Produktentwicklung bzw. in die Unternehmensentwicklung mit ein. Wenn Sie meinen, Sie hätten noch nicht alle Antworten auf die Fragen, die ein Designer aufwerfen könnte, scheuen Sie sich dennoch nicht, schon jetzt ein erstes Gespräch mit dem Designer Ihrer Wahl zu führen. Oft kann der Designer bei der Beantwortung behilflich sein bzw. hat gute Lösungsideen auch für anscheinend „designfremde“ Fragestellungen.
Wo finden Sie geeignete Designpartner und wie wählen Sie den richtigen aus?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Designbüros zu finden. Schauen Sie zunächst in Ihr örtliches Branchenbuch, nutzen Sie Websites wie http://www.werliefertwas.de, googeln Sie die Begriffe „Industriedesign“ und „Produktdesign“ (z.B. „Industriedesign NRW“), suchen Sie bei Designverbänden wie dem VDID (www.vdid.de) oder KölnDesign e.V. (www.koelndesign.de - dort gibt es sogar ein Ausschreibungsmodul - bzw. http://www.designguide-koeln.de) etc.. Fragen Sie andere Unternehmer, deren Produkte Sie überzeugen, nach ihren Designdienstleistern. Keine Sorge, die meisten Designer arbeiten überregional.
Als nächstes schauen Sie sich die Websites der gefundenen Büros an und bewerten intuitiv deren Auftritt. Spricht er Sie ästhetisch an, ist der Inhalt interessant, finden Sie Vertrauen erweckende Referenzprojekte?
Führen Sie dann mit ca. drei Designbüros ein Erstgespräch. Achten Sie im Gespräch darauf, ob Sie das Gefühl haben, hier gut aufgehoben zu sein. Stellt der Designer viele Fragen, geht er ins Detail und zeigt Verständnis für Ihre Problemstellung? Besitzt er Kenntnisse über Produktionsverfahren und hat Kontakte zu Produzenten bzw. Zulieferern? Welche Erfahrungen hat er mit ähnlichen Projekten? Und nicht zuletzt: welche Ausbildung besitzt er? (Die Berufsbezeichnung des Designers ist, anders als die des Architekten, nicht geschützt – theoretisch kann sich jeder so nennen. Gut ist in jedem Fall eine fundierte Ausbildung, der Designer sollte also ein Universitäts- oder zumindest Fachhochschuldiplom im Fach Produktdesign oder Industrial Design besitzen. Von Designern mit dem Schwerpunkt Schmuckdesign, Objektdesign o.ä. sollten Sie für Medizinprodukte unbedingt die Finger lassen.)
Lassen Sie sich von zwei oder drei viel versprechenden Designern ein erstes Angebot erstellen. Dieses sollte in mehrere Projektschritte aufgeteilt sein, die separat in Auftrag gegeben und auch separat abgerechnet werden. So können Sie eine nicht zufrieden stellende Zusammenarbeit mit möglichst wenig Verlust abbrechen.
Vergleichen Sie Projektbeschreibung, Vorgehensweise, Angebotsumfang (bietet der eine z.B. nur Handskizzen an, wo der andere schon 3D-CAD-Renderings liefert?) und Preise.
Zum Thema Preise: die meisten Designer nennen einen Stundensatz zwischen 70,- und 120,- €. Um die Kosten für Sie abschätzbar zu machen, kalkuliert der Designer jedoch eine feste Stundenzahl für einen bestimmten Projektabschnitt. (Daher müssen auch alle Projektbedingungen erst ausreichend bekannt sein, bevor ein verlässliches, stets individuelles Angebot erstellt werden kann.) Zusätzlich zu den Kosten der reinen Entwurfsarbeit können noch die Kosten für Lizenzierung der Nutzungsrechte kommen (denn als Urheber behält der Designer stets das Recht an seinem Design – er kann jedoch das Nutzungsrecht abtreten). Eine Lizenz von z.B. 3% vom Nettofabrikabgabepreis ist durchaus üblich. Mit der prozentualen Lizenzgebühr beteiligt sich der Designer an Ihrem Unternehmensrisiko, Sie können jedoch auch eine Pauschale vereinbaren. Die Nutzungsgebühr wird nur fällig, wenn Sie sich zur kommerziellen Nutzung des jeweiligen Designentwurfs entscheiden – die bereits geleistete Entwurfsarbeit müssen Sie in jedem Fall bezahlen.
Eine Alternative, die anfangs ein wenig teurer ist, aber mehr Entscheidungssicherheit gibt, ist, einen bezahlten Designpitch zu veranstalten (an unbezahlten und somit ausbeuterischen Pitches beteiligen sich professionelle Designbüros generell nicht). Dazu erstellen Sie ein möglichst detailreiches Briefing und besprechen es mit drei Designbüros, denen Sie den Auftrag geben, zwei bis drei erste konzeptionelle Entwürfe anzufertigen. Diese Entwürfe müssen Sie finanziell pauschal honorieren. Anschließend entscheiden Sie sich für die überzeugenderen Konzepte/Entwürfe bzw. für das Designbüro, das Sie am ehesten zufrieden gestellt hat. Mit diesem arbeiten Sie dann weiter.
Viel Erfolg mit Ihrem Produkt!
Unser Beitrag hier kostenfrei als Auszug:
Produktdesign in der Medizintechnik
H2.1: Welche Rolle spielt das Produktdesign in der Produktentwicklung?
Produktdesign (auch: Industriedesign) ist die Gestaltung industriell herstellbarer Produkte (Gebrauchs- und Investitionsgüter) unter Berücksichtigung der Zielgruppe, aller Anforderungen an das Produkt selbst und aller herstellungstechnischen Bedingungen.
Insofern spielt das Produktdesign im Produktentwicklungsprozess auch und gerade bei Medizinprodukten eine tragende Rolle. Es genügt also nicht, nach der rein technischen Definition von Funktionen und fertig gestellter Konstruktion, den Produktdesigner „noch eben die Hülle verhübschen“ zu lassen. Produktdesign sollte von Anfang an, also begonnen bei der Produktidee, mit der medizinisch-technischen Abteilung gemeinsam die Produktentwicklung vorantreiben. Produktdesigner und Ingenieur/Konstrukteur (sowie Firmenleitung, Produktmanagement, Marketing und, bei Medizinprodukten, auch häufig Mediziner) arbeiten also stets Hand in Hand, sie ergänzen einander.
Häufig wird das Design zu spät eingeschaltet, um Kosten zu sparen. Abgesehen davon, dass Design meist nicht so teuer ist wie sein Ruf, kann im Gegenteil kein Design teuer werden. Sind Designer früh an der Entwicklung beteiligt, können sie in Zusammenarbeit mit den Ingenieuren die Produktionskosten oft sogar senken: Etwa durch die Lösung von gestaltbedingten Fertigungsproblemen, die Auswahl einfach zu verarbeitender Materialien oder durch die Optimierung von Verpackung, Lagerung und Transport. Zudem reduzieren sich die Werbekosten, da das Produkt durch seine Gestaltung auffällt. Es werden nämlich nur diejenigen Produkteigenschaften zu Verkaufsargumenten, die man dem Produkt auch zutraut. Somit wirbt es für sich selbst und transportiert die Corporate Identity des Unternehmens.
Das Produktdesign befasst sich zunächst mit den zu erreichenden Funktionen, dem Nutzen des Produkts (Hier wird die Frage beantwortet: „Was soll das Produkt können?“). Als nächstes wird der Nutzer betrachtet, also die Zielgruppe des Produkts („Wer soll das Produkt nutzen/bedienen/gebrauchen?“). Schließlich steht die Lösung der Frage an, wie das Gebrauchsziel erreicht werden soll („Wie soll das Produkt benutzt werden?“).
Aus diesen Hauptaspekten ergeben sich viele Unteraspekte.
Zur Erfassung aller Anforderungen an das Produktdesign wird ein Briefing (auch: Pflichtenheft) erstellt. Das Briefing definiert zunächst die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Designer. Je genauer es durchdacht und je detaillierter es formuliert wird, desto besser funktioniert die Kommunikation und Kooperation der Projektpartner während der gesamten Projektlaufzeit.
Idealerweise wird das Briefing gemeinsam von Unternehmen und Designbüro formuliert und diskutiert. Im besten Fall sind alle wichtigen Fragen das Projekt betreffend darin geklärt. Und zwar vor allem:
Warum?
Wer?
Was?
Wie?
Wann?
Warum? - Hintergründe und Ziele
Das Unternehmen klärt den Designer über ökonomische, firmeninterne, marktstrategische, technische und jegliche andere Hintergründe auf, die dem gesamtheitlichen Verständnis des Projekts dienen. Je mehr Informationen Unternehmensvertreter an das Designbüro weitergeben, desto besser kann der Designer die Kundenziele verfolgen. Möglicherweise ist ein firmeninterner Workshop mit Vertretern aller Abteilungen sinnvoll, um verstecktes Wissen und Innovationspotential der Mitarbeiter aufzudecken.
Wer? - Ansprechpartner und Verantwortliche
Kommunikation ist alles. Deshalb ist klar geregelt, wer die Ansprechpartner im Unternehmen sind – und wer welche Entscheidungen trifft. Zwar gibt es feste Projektverantwortliche, die mit dem Designbüro kommunizieren, der Designer hat jedoch bei Notwendigkeit Kontakt zu allen Projektmitarbeitern (sei es im Marketing, sei es in der Konstruktion). Die Kommunikation per mail, Memos und Telefonnotizen wird dokumentiert, jeder (Teil-) Projektverantwortliche wird informiert.
3. Was und 4. Wie? - Gegenstand und Leistung
Was genau soll der Designer leisten? Geben Sie eine Beschreibung Ihres Projektziels ab, die alle für Sie wichtigen Daten und Kennzahlen beinhaltet. Welches Ergebnis wollen Sie sehen und welches sind die Bedingungen? So kann das Designbüro mit Ihnen gemeinsam abschätzen, wie der Projektplan aussehen sollte, welche Mittel zur Verfügung stehen und welche Schritte und Methoden sinnvoll sind zum Erreichen Ihres Ziels.
Mögliche Anforderungen an das Produkt sind:
- technisch funktionale
- produktionstechnische
- ökonomische
- soziale
- sozio-kulturelle
- emotionale
- ergonomische
- ästhetische
- ökologische
- rechtliche
5. Bis wann? - Meilensteine und Termine
Ein genauer Zeitplan, wer wann was liefert, der von allen am Projekt Beteiligten mitgetragen wird, erleichtert die effektive Zusammenarbeit. So werden Produktionsausfälle vermieden und z.B. Markteinführungs- bzw. Messetermine berücksichtigt.
Das Briefing definiert außerdem (siehe auch Punkt 3. und 4.) alle zwingend erforderlichen und wünschenswerten Produkteigenschaften, bzw. nennt auch Eigenschaften, die vermieden werden sollen. Es werden alle zu erfüllenden Funktionen sowie Zielgruppen, aber auch die geplanten Vertriebswege, die zur Verfügung stehenden Produktionsmittel und -wege bzw. Fertigungsbudgets, avisierter Endpreis etc. festgehalten.
H2.2: Was beinhaltet der Produktdesignprozess?
Zunächst wird das Ziel definiert und gemeinsam das Briefing (s.o.) erstellt.
Anschließend folgt eine Phase der Orientierung und der Analyse.
Der Designer betrachtet die Aufgabenstellung in ihrem Zusammenhang: dem gesellschaftlichen Kontext (z.B. welche Bedeutung hat das Gerät in der heutigen Gesellschaft, welchen Beitrag leistet es zur Volksgesundheit?), dem Innovationszusammenhang (z.B. ist das Gerät eine völlig neue Erfindung und Anwendung oder eine Weiterentwicklung bereits etablierter Lösungen?), der Systemumgebung (z.B. wird das Gerät im OP im Zusammenhang mit welchen anderen Geräten oder Arbeitsabläufen genutzt?). Er analysiert alle Prozesse, die bei dem zu gestaltenden Produkt eine Rolle spielen.
Zusätzlich untersucht der Designer den Wettbewerb: welche Produkte gibt es bereits auf dem Markt, die einen ähnlichen Nutzen bieten bzw. das gleiche Ziel verfolgen? Welche Gestaltungsantworten wurden hier gefunden?
Als nächstes geht es in die Phase der Konzeption.
Der Designer entwickelt etliche Ideen, Varianten und Teillösungen, die er in Konzepte integriert. Dabei entstehen (Hand-)Skizzen, Lösungsmatrizen und evtl. erste Funktionsmodelle. Aus den Konzepten werden erste Designentwürfe (dargestellt als rudimentäre 3D-CAD-Renderings, farbige Skizzen oder erste Entwurfsmodelle).
In vielen Fällen kann eine Ergonomiestudie an dieser Stelle sinnvoll sein. (Die Ergonomie, an dieser Stelle Produktergonomie = micro ergonomics, hat die intuitive Bedienbarkeit und allgemeine Gebrauchstauglichkeit von Produkten zum Ziel.) Hier untersucht der Designer mit Hilfe von Fallstudien an der Zielgruppe (mittels Befragungen, Beobachtungen und anderen Erhebungsmethoden) die Anforderungen an den Gebrauch des zu gestaltenden Produkts. Dafür verwendet er möglicherweise erste Funktions- und Handhabungsmodelle.
Marktforschung wird unter Umständen auch schon mit ersten Designmodellen betrieben. Die Wirtschaftlichkeit verschiedener Entwürfe wird ebenfalls jetzt analysiert.
Im Anschluss an mindestens eine Zwischenpräsentation und die gemeinsame Evaluation der Konzepte und Entwürfe folgt die Phase der Detailgestaltung.
Nun wird jedes Detailproblem endgültig gelöst. Außerdem werden Materialien, Oberflächen, Farben und die Produktbeschriftung festgelegt. (Auch die Verpackung und Point-of-Sale-Lösungen werden oft vom gleichen Designbüro entwickelt, allerdings ist dies meist ein separater Auftrag.)
Nach einer weiteren Zwischenpräsentation und Freigabe durch den Auftraggeber erstellt das Designbüro die CAD-Vorkonstruktion. Oft liefert das Designbüro nicht nur die Außenflächen des fertigen Produkts, sondern auch die endgültige Konstruktion. Hat der Kunde selbst eine eigene Konstruktionsabteilung, kann die Datenübergabe (z.B. nur Daten der Außenflächen) genau abgesprochen werden.
Jetzt geht es in die Realisation. Erste Prototypen werden (z.B. durch Rapid-Prototyping-Verfahren = 3D-Drucken) hergestellt, so dass ein erster realistischer Produkteindruck entsteht. Die Prototypen können nun vom Kunden auf ihre technischen und sonstigen Eigenschaften hin geprüft und getestet werden, bevor das Produkt in Serie geht.
Ans Prototyping anschließend entsteht die Fertigungsplanung und die Übergabe der Konstruktionsdaten an den endgültigen Fertigungspartner (Kunststoff- oder Metallproduzent), der nun ein bzw. mehrere Werkzeuge erstellt. Der Designer bleibt meist beratend und begleitend im Projekt bis das Produkt schließlich marktfähig und verkaufsfertig existiert.
Nach einer erneuten ausführlichen Evaluation des Produkts und Bestimmung des Markterfolgs sowie nach Nutzungsstudien beginnt gegen Mitte des Produktlebenszyklus das Re-Design, ein erneutes Überdenken der Gestaltung – der Prozess beginnt von vorn.
H2.3: Welche besonderen Faktoren bestimmen das Design von Medizinprodukten?
Besonders wichtig beim Design von Medizinprodukten ist ihre Gebrauchstauglichkeit.
Dies ist z.B. in der Norm ISO EN 60601-1 für elektrische Medizinprodukte (bzw. zukünftige Norm für alle Medizinprodukte: EN 62366) festgelegt (beide Normen in Bezug auf die ISO 14971:2000 zum Thema Risikomanagement für Medizinprodukte).
Diese Normen sehen einen Ergonomieprozess zur Analyse, Entwicklung und Gestaltung, zur Verifikation und Validierung der Gebrauchstauglichkeit und seine Dokumentation für Medizinprodukte vor.
Für seriöse professionelle Produktdesigner ist es eine Selbstverständlichkeit, das jedes von ihnen gestaltete Produkt gebrauchstauglich, d.h. sicher und möglichst intuitiv bedienbar, also ergonomisch ist. Die Mensch-Maschine-Schnittstelle (bzw. Benutzer-Gerät-Schnittstelle) muss so ausgelegt sein, dass der Gebrauch auch in ungünstigen Situationen möglichst fehlerfrei erfolgt.
Besondere Berücksichtigung bei einem solchen der Norm entsprechenden Ergonomie- bzw. Designprozess findet der Gebrauch durch die jeweilige Zielgruppe des Medizinprodukts. Dabei müssen mögliche Benutzungs- und Bedienfehler genauso berücksichtigt werden wie der eigentliche bestimmungsgemäße Gebrauch, denn Nutzer sind oft sehr erfindungsreich, was Möglichkeiten der Fehlbedienung betrifft. Die Sicherheit von Bedienpersonal (z.B. im Krankenhaus und Pflegeheimen), Pflegepersonen (geschulten und ungeschulten) sowie Patienten selbst ist hier der Maßstab für ein erfolgreiches Produkt.
An dieser Stelle leuchtet also noch einmal mehr ein, weshalb die avisierte Zielgruppe stets im Zentrum der Produktentwicklung und somit des Produktdesigns stehen muss. Bediener- bzw. Nutzer-Ideen und -Bedürfnisse, ihre Erfahrungen und Kenntnisse, ihr Verhalten und ihre Gewohnheiten sowie die Bedien-Umgebung müssen bestens bekannt sein und berücksichtigt werden.
Zum Beispiel haben körperlich Behinderte, die ein medizintechnisches Gerät zuhause benutzen, besondere Anforderungen. Oder Chirurgen, die mehrere stundenlange Operationen täglich mit einem Werkzeug ausführen, dürfen bei dieser Arbeit nicht übermäßig ermüden bzw. Fehlhaltungen oder gar Haltungsschäden entwickeln.
Es ist daher naheliegend, die Anforderungen an das Gerät unter tatsächlichen Bedingungen, also durch wirkliche Benutzer in der wirklichen Gebrauchsumgebung, zu untersuchen. Dies sollte schon in einer frühen Phase (mit einem Vorläufermodell oder einem Funktionsmodell bzw. einem sogenannten Mock-Up) und wiederholt geschehen. Nur so kann das vom Designer vorgeschlagene Design später auch alle Anforderungen zufrieden stellend erfüllen.
Ein weiterer Aspekt bei medizintechnischen Geräten ist die Hygiene. Geräte, die z.B. im OP zum Einsatz kommen sollen, müssen sterilisierbar sein. Aber auch Geräte zur selbständigen Nutzung durch den Patienten zuhause müssen einfach und gut zu reinigen und zu warten sein. Der Einsatz geeigneter Materialien, die langlebig sind und in der Medizin übliche Sterilisationsmethoden vertragen, ist für den Designer eine selbstverständliche Maßgabe.
Nicht zu vernachlässigen ist gerade bei Medizinprodukten auch die Psychologie des Patienten. Der Designer ist darin geschult, darauf zu achten, die Gestaltung des Produkts menschengemäß zu halten.
Patienten soll die Angst vor Medizintechnik genommen werden, damit die an ihren Körpern eingesetzten Geräte nicht wie brachiale Maschinen auf sie wirken. Die äußere Wirkung von Instrumenten und Geräten kann dazu beitragen, das Vertrauen von Patienten in die Behandlungsmethode zu gewinnen. Man muss z.B. einem Blutdruckmesser auch zutrauen, dass er die Blutdruckwerte richtig ermittelt. Nur das Design ist in der Lage, die technisch-funktionale Güte eines Produkts formal zu kommunizieren.
H2.4: Worauf sollte bei einer Unternehmensneugründung in Bezug auf das Produktdesign besonders geachtet werden?
Wählen Sie als Unternehmensgründer Ihren Designpartner mit Bedacht aus. Der Designer Ihres Produkts ist für Ihren Unternehmenserfolg letztlich mindestens ebenso wichtig wie jeder andere Unternehmensberater und Produktentwickler. Oft ist das Produkt das einzige, was der Kunde bzw. der Nutzer von Ihrem Unternehmen zu sehen bekommt. Somit stellt das Produkt das Gesicht Ihres Unternehmens nach außen dar (gemeinsam mit der grafischen Gestaltung, beide sollten einem einheitlichen Corporate Design entspringen bzw. folgen).
Beziehen Sie Ihren Designer früh in die Produktentwicklung bzw. in die Unternehmensentwicklung mit ein. Wenn Sie meinen, Sie hätten noch nicht alle Antworten auf die Fragen, die ein Designer aufwerfen könnte, scheuen Sie sich dennoch nicht, schon jetzt ein erstes Gespräch mit dem Designer Ihrer Wahl zu führen. Oft kann der Designer bei der Beantwortung behilflich sein bzw. hat gute Lösungsideen auch für anscheinend „designfremde“ Fragestellungen.
Wo finden Sie geeignete Designpartner und wie wählen Sie den richtigen aus?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Designbüros zu finden. Schauen Sie zunächst in Ihr örtliches Branchenbuch, nutzen Sie Websites wie http://www.werliefertwas.de, googeln Sie die Begriffe „Industriedesign“ und „Produktdesign“ (z.B. „Industriedesign NRW“), suchen Sie bei Designverbänden wie dem VDID (www.vdid.de) oder KölnDesign e.V. (www.koelndesign.de - dort gibt es sogar ein Ausschreibungsmodul - bzw. http://www.designguide-koeln.de) etc.. Fragen Sie andere Unternehmer, deren Produkte Sie überzeugen, nach ihren Designdienstleistern. Keine Sorge, die meisten Designer arbeiten überregional.
Als nächstes schauen Sie sich die Websites der gefundenen Büros an und bewerten intuitiv deren Auftritt. Spricht er Sie ästhetisch an, ist der Inhalt interessant, finden Sie Vertrauen erweckende Referenzprojekte?
Führen Sie dann mit ca. drei Designbüros ein Erstgespräch. Achten Sie im Gespräch darauf, ob Sie das Gefühl haben, hier gut aufgehoben zu sein. Stellt der Designer viele Fragen, geht er ins Detail und zeigt Verständnis für Ihre Problemstellung? Besitzt er Kenntnisse über Produktionsverfahren und hat Kontakte zu Produzenten bzw. Zulieferern? Welche Erfahrungen hat er mit ähnlichen Projekten? Und nicht zuletzt: welche Ausbildung besitzt er? (Die Berufsbezeichnung des Designers ist, anders als die des Architekten, nicht geschützt – theoretisch kann sich jeder so nennen. Gut ist in jedem Fall eine fundierte Ausbildung, der Designer sollte also ein Universitäts- oder zumindest Fachhochschuldiplom im Fach Produktdesign oder Industrial Design besitzen. Von Designern mit dem Schwerpunkt Schmuckdesign, Objektdesign o.ä. sollten Sie für Medizinprodukte unbedingt die Finger lassen.)
Lassen Sie sich von zwei oder drei viel versprechenden Designern ein erstes Angebot erstellen. Dieses sollte in mehrere Projektschritte aufgeteilt sein, die separat in Auftrag gegeben und auch separat abgerechnet werden. So können Sie eine nicht zufrieden stellende Zusammenarbeit mit möglichst wenig Verlust abbrechen.
Vergleichen Sie Projektbeschreibung, Vorgehensweise, Angebotsumfang (bietet der eine z.B. nur Handskizzen an, wo der andere schon 3D-CAD-Renderings liefert?) und Preise.
Zum Thema Preise: die meisten Designer nennen einen Stundensatz zwischen 70,- und 120,- €. Um die Kosten für Sie abschätzbar zu machen, kalkuliert der Designer jedoch eine feste Stundenzahl für einen bestimmten Projektabschnitt. (Daher müssen auch alle Projektbedingungen erst ausreichend bekannt sein, bevor ein verlässliches, stets individuelles Angebot erstellt werden kann.) Zusätzlich zu den Kosten der reinen Entwurfsarbeit können noch die Kosten für Lizenzierung der Nutzungsrechte kommen (denn als Urheber behält der Designer stets das Recht an seinem Design – er kann jedoch das Nutzungsrecht abtreten). Eine Lizenz von z.B. 3% vom Nettofabrikabgabepreis ist durchaus üblich. Mit der prozentualen Lizenzgebühr beteiligt sich der Designer an Ihrem Unternehmensrisiko, Sie können jedoch auch eine Pauschale vereinbaren. Die Nutzungsgebühr wird nur fällig, wenn Sie sich zur kommerziellen Nutzung des jeweiligen Designentwurfs entscheiden – die bereits geleistete Entwurfsarbeit müssen Sie in jedem Fall bezahlen.
Eine Alternative, die anfangs ein wenig teurer ist, aber mehr Entscheidungssicherheit gibt, ist, einen bezahlten Designpitch zu veranstalten (an unbezahlten und somit ausbeuterischen Pitches beteiligen sich professionelle Designbüros generell nicht). Dazu erstellen Sie ein möglichst detailreiches Briefing und besprechen es mit drei Designbüros, denen Sie den Auftrag geben, zwei bis drei erste konzeptionelle Entwürfe anzufertigen. Diese Entwürfe müssen Sie finanziell pauschal honorieren. Anschließend entscheiden Sie sich für die überzeugenderen Konzepte/Entwürfe bzw. für das Designbüro, das Sie am ehesten zufrieden gestellt hat. Mit diesem arbeiten Sie dann weiter.
Viel Erfolg mit Ihrem Produkt!
